noch mehr schräge Vögel

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Krähen-Fan Gudrun Wille hat am 18.05. bei unserer Premiere in der Jakobikirche viele schräge Vögel kennengelernt – und mal wieder mit Freude festgestellt, dass sie auch selbst einer ist. Die Vogelmasken aus unserer Inszenierung „Schräge Vögel“ zieren jetzt ihre private Krähenbilder-Sammlung. Danke!

Wer auch auf Artgenossen treffen will, hier die nächste Gelegenheit:

29.05Uhr 19.30Uhr in den Gronauer Lichtspielen

„Schräge Vögel. Anders als Andere“

Bericht vom wildfremden Vogel 2

Ok. ich gebe es ja zu. Ich konnte es mir nicht verkneifen noch einmal bei dieser schrägen Vogeltruppe vorbei zu flattern. Und das obwohl mein Eindruck von der letzten Probe, naja sagen wir mal, … besonders war. Aber die Neugier hat wohl an meinem Gefieder gezupft. Mich interessiert ja schon wie Vögel Theater machen können, wo ich mich als Artverwandter doch eher mit Bäumen und Würmern auskenne.

 

Also bin ich am Wochenende zur Jakobikirche geflattert. Dort haben sie sich getroffen. Da fängt es ja schon an, wie kann man denn in einer Kirche Theaterspielen? In einer Kirche gibt es Gottesdienste und einen Gospelchor, das weiß ja sogar ich. Naja deswegen nennen Sie sich wahrscheinlich auch schräge Vögel.

Sie wollen also in dieser Kirche Theaterspielen. Und warum? Weil sie die Holzlatten so toll finden. Sie sagen es seien Bäume, aber ich sehe da weder Blätter noch Wurzeln.

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der Bühnenwald (Quelle: stjakobi.de)

 

Aber gut. Die Probe soll beginnen.

Sie spielen Schildkröten. Sie reckten ihre Köpfe aus dem Panzer, um in eine herrliche Zitrone zu beißen und obwohl die Zitrone schaurig sauer ist, machen sie’s immer wieder. Kopf raus, Kopf rein, Kopf raus, Kopf rein. Und dann werfen sie Wörter, ihre Lieblingsnaschereien, durch den Raum. Marmeladenmuss, Marzipan, Mirabellenmarmelade … . Sollte nicht die Leibspeise eines Vogels eine Raupe oder ein Wurm sein und nicht Macadamianüsse?

Na ja, auch wenn das schon ziemlich seltsam ist, so viel habe ich ja schon gelernt über Theater: Sie nennen es Warm up, die Vorbereitung also.

 

Und dann geht es endlich los. Doch ich sehe nur das, was schon mal gesehen habe: lauter blaue Tüten. Sie stecken ihre Köpfe in diese, bewerfen sich mit ihnen, schnallen sie als Rucksack auf den Rücken oder verstecken sich unter ihnen.

Sie hüllen sich in blaue und gelbe Tücher, zucken unter ihnen und werfen Sie auf den Boden. Sie sagen Tanz dazu. Und sie sagen Background Musik zu Menschen, die mit Luftpolsterfolie wedeln und dabei schrecklich schräge Flötengeräusche machen.

Aber das ist noch nicht alles. Während all dem Klamauk, rennen Hasen durchs Publikum, zwischen den Stühlen wird Fußball gespielt, und auf der Bühne gibt es Popcorn und Haribo Würmer zu essen. Das ist vorher Fasching als Theater.

Wann geht es denn nun los mit dem Theater? Mhm, anscheinend immer noch nicht. Jetzt machen sie Pause. Sie setzen sich mitten auf dem Gehweg in der Stadt und knabbern wie Tauben an ihren Brötchen. (Also spätestens jetzt habe ich verstanden, dass sie schräg sind, da wo andere spazieren gehen, sitzen Sie mit Ihrer Picknickdecke.)

Aber auch nach der Pause sehe ich immer noch kein Theater. Wann spielt denn hier endlich jemand mal eine Rolle, spricht seinen Text, oder kommt im Kostüm.

Nein, nein, nein. Was machen die stattdessen? Die einen basteln einen Babylaufstall zusammen, die anderen hängen CDs an Fäden, die nächsten bemalen Schilder, und die letzten lassen sich in Vogelmasken fotografieren.

Und dann kommt sie endlich alle zusammen, Jetzt kann es losgehen und der Obervogel sagt: Das habt ihr heute toll gemacht! Vielen Dank für eure Ausdauer. Wir sind ein ganzes Stück vorangekommen. Und dann sehen wir uns in alter Frische morgen.

 

Das war’s jetzt also? Das ist Theater?

Bin ja mal gespannt auf die Aufführung.

Interview mit einem schrägen Vogel

P1320173Mir gefällt das behutsame Vorgehen und die Zeit, die sich für jeden einzelnen genommen wird. Zuerst hatte ich Horror vor der dreistündigen Probenzeit, dann habe ich jedoch festgestellt, dass die Zeit meist recht schnell verfliegt, auch wenn ich natürlich hinterher ziemlich geschafft bin. Klasse finde ich, dass wir zwei Projektleiter haben, die sich als Team sehr gut ergänzen.

Anfangs war ich mir nicht sicher, ob ich tatsächlich schräg genug für das Projekt bin. Inzwischen fühle ich mich gut aufgenommen und denke ich habe einen Platz gefunden, mit dem ich mich wohlfühle.

Schön finde ich, dass wir eine Tanzeinlage haben und dass diese durch die Fachkompetenz einer Tanzchoreografin unterstützt und angeleitet wird. Für mich bedeutet der Tanz eine positive Herausforderung.

Es ist eine tolle Erfahrung, dass eine Gruppe mit solch unterschiedlichen Charakteren wie wir es sind, trotz alledem so gut miteinander zurecht kommt.

Ich schätze die für mich neuen Erfahrungen, die ich mit den „Schrägen Vögeln“ machen kann und die Möglichkeit mit Menschen zusammen zu kommen, welchen ich sonst vielleicht nie begegnet wäre.

Am Wochenende haben wir das erste Mal in der Kirche, unserem Auftrittsort, geprobt. Da bleibt mir nur noch zu hoffen, dass ich den harten Bedingungen der langen Proben in der sibirischen Kälte der Kirche trotzen kann.

Ich bin schon sehr gespannt auf unsere Aufführung.

Premierenfieber

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18 Menschen mit und ohne psychotherapeutische Erfahrungen aus Hildesheim und Umgebung haben sich auf die Suche nach schrägen Vögeln gemacht. In der eigenen Biografie und dort, wo Blaufußtölpel, Vampirfink und Rohrdommel die Ursonate rezitieren. Sie sind umgeben von bedrohlichen Fernglas-Guckern, erfreuen sich aber dennoch an abstürzenden Brieftauben und mit dem falschen Messer geschnittenen Mozzarellascheiben. Unter blauen Tüten schlecht getarnt, irgendwo zwischen „Stell dich nicht so an“ und „Hilfe, die Irren kommen!“ hätten sie gern den Mut, auch mal ein schräger Vogel zu sein – oder lieber doch nicht?!

Eine Szenencollage über das So-und-anders-Sein, schräge Blicke und die Suche nach dem richtigen Lebensraum, präsentiert von 14 Spieler*innen zwischen 17 und 68 Jahren

Leitung: Karu-Levin Grunwald-Delitz und Silke Pohl
Tanzpädagogische Unterstützung: Nicole PohnertS

Das Stück entsteht

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Und wir basteln fleißig weiter. Hier einmal ein Einblick in unseren Stückanfang.

 Intro

 (alle Spieler*innen betreten den Publikumsraum. Sie laufen durch das Publikum. Dabei machen sie Vogelgesten (wie Kopf schräg halten, auf einem Bein stehen). Sie begutachten das Publikum kritisch, machen dabei Geräusche aus der Ursonate. Sie sammeln sich vor der Bühne in einer Reihe. Dort liegen Ikeatüten in einer Reihe. Jede Person nimmt sich, geht auf die Bühne. Tütenpositionen 1 werden eingenommen)

J:            Ich bin wohl ein schräger Vogel. Wenn jemand in meinen Kopf reingucken könnte, würde der bestimmt denken „Der ist ja komisch“.

Sy:        Ich musste mir schon mehrmals anhören, dass ich komisch sei. Das ist so eine Negativ-Definition vom schrägen Vogel.

Si:          Ich bezeichne mich gern als „anders“. Ich bin ein selbstgewählter schräger Vogel.

F:           Ich bin ein Süßschnabel. Ist ein Süßschnabel ein schräger Vogel?

M:          Im Grunde ist doch jeder ein schräger Vogel. Mich darf man ruhig so nennen. Ich nehme das mit Humor.

P:           Ich gehöre zu den 15 Prozent der hochsensiblen Menschen. Das finden manche schräg.

I:            Ich sage, ich bin ein 150% schräger Vogel. Bei mir ist immer alles so ordentlich. Die Handtücher sind nach Farben, Größe und Benutzungsform sortiert.

G:           Ich bin kein schräger Vogel. Aber bestimmt wirke ich auf manche so, weil ich alle möglichen Dinge sammele.

Je:          Ich hab mich bisher immer als Bär gesehen. Träge, naschlustig und bequem. Ob ich ein schräger Vogel bin, darüber hab ich noch nicht nachgedacht.

Sa:         Ein Vogel bin ich auf jeden Fall: Ein Specht. Ich klopfe gerne auf Tischen, Wänden und Glocken herum. Aber ob ich schräg bin, weiß ich nicht.

M:          Ich bin schräg, weil ich nicht wie die anderen in meinem Alter im Winter bauchfrei und mit Sneakers rumlaufe.

E:           Ich durfte nie ein schräger Vogel sein. „Sei bloß nicht Hahn im Korbe!“, hat mein Vater immer gesagt.

I:            Ich hätte gern den Mut , auch mal schräg zu sein.

 

ein theaterpädagogisches Projekt des TPZ Hildesheim